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Geheimtipp Achill Island: Irlands große Unbekannte

Meer, schroffe Felsen und Wiesen auf Achill Island.
Unberührte Natur auf Achill Island. Bild: Shutterstock

Unberührte Natur ist das Markenzeichen von Achill Island. Die größte Insel Irlands betört mit einsamen Stränden, kantigen Kliffs und ansehnlichen Bergen. Menschen leben hier nur wenige, dafür bevölkern stattliche Schafherden die wildromantisch verträumte Region. Sogar Heinrich Böll erlag dem rauen Charme von Achill Island. Auf unserer Mietwagen-Rundreise „Meet the Sheep“ können Sie das als Reiseziel noch weitgehend unbekannte Fleckchen Erde mit Haut und Haaren kennenlernen. Und dabei tiefe Entspannung finden – an der irischen Westküste gelingt das bestens.

Vom Zauber der Abgeschiedenheit

Die wohltuende Stille war es, die Heinrich Böll an Achill Island so schätzte. Seit Anfang der 1950er Jahre verbrachte der Ausnahmedichter regelmäßig seinen Urlaub auf der Insel, um neue Kraft zu tanken. Die endlose Weite der Moorlandschaft, die saftig grünen Weiden und das ewige Rauschen des Atlantiks inspirierten ihn. 1958 schließlich kaufte sich Böll eines der landestypischen Cottages. In seinem „Irischen Tagebuch“ hat er Achill Island (gälisch: Acaill) samt ihrem traditionsbewussten Menschenschlag ein literarisches Denkmal gesetzt.

Bölls uriges Landhaus steht noch heute auf Irlands größter Insel, die sich vor der Nordwestküste der Republik erhebt. Stipendiaten der Heinrich-Böll-Stiftung kommen hier für eine begrenzte Zeit unter, um in aller Ruhe an ihren Werken zu feilen. Die Abgeschiedenheit in wilder Natur macht den Reiz des 146 Quadratkilometer-Eilands aus. Von ihrer Größe mit unserer Ostseeinsel Fehmarn vergleichbar, kann Achill Island ebenso auf einen Brückenschlag zum „Festland“ verweisen. Über die Michael Davitt Bridge sind die Bewohner eng mit der Hauptinsel verknüpft.

Im Meereswind die Seele baumeln lassen

Sandstrand und hohe Wellen auf Achill Island.
Weitläufige Sandstrände und hohe Wellen sind auf Achill Island garantiert. Bild: Shutterstock

Die facettenreiche Küstenlandschaft ist das größte Pfund der Iren – ein Relikt der Eiszeiten. Auf Achill Island laufen die Elemente zur Höchstform auf: Riesige Wellen klatschen an schroffe Felsklippen, stürmischer Wind nagt an der kargen Vegetation, verschlafene Buchten treffen auf zerzauste Dünen. Besonders turbulent geht es am Achill Head zu, der äußersten Westspitze. Hätten Sie hier einen der attraktivsten Sandstrände von ganz Irland vermutet? Wohl kaum. Doch die Keem Bay lockt mit idealen Bade- und Surf-Bedingungen. Dahinter recken sich bis zu 440 Meter hohe Berge empor.

Keine andere irische Insel kommt so naturbelassen und zugleich so charmant daher. Der größte Teil ist von Torfmooren überzogen und unbewohnbar. Auch die Industrie hat hier bis heute kaum Fuß gefasst. So ist Achill Island das Zuhause von nur rund 2600 Menschen, die sich überwiegend im Hauptort Gob an Choire versammeln. Die spärlich besiedelte Region mit ihren verträumten Stränden ist optimal, um ganz zu sich selbst zu finden. An den sturmumtosten Aussichtsplätzen des Atlantic Drive kann man herrlich die Seele baumeln lassen…

Entschleunigung auf die spröde Art

Schafe auf Achill Island.
Schafe in toller Landschaft.

Für drei Nächte machen Sie während unserer neuntägigen Mietwagen- und Ferienhaus-Rundreise „Meet the Sheep“ auf Achill Island Station. Verlängern ist möglich (und nicht unwahrscheinlich). Denn der ruppigen Insel-Aura kann sich kaum jemand entziehen. Ein so einfaches wie urgemütliches Cottage mit Meerblick wird Ihr Zuhause auf Zeit – ganz wie bei Heinrich Böll. Die für Irland charakteristischen Steinbauten ragen sympathisch selbstbewusst aus der weiten Insellandschaft heraus. An der Küste fällt diese oft spektakulär als Klippe oder Steilwand ab.

Auch das Meerwasser von Achill Island hat es in sich. Glaubt man den Einheimischen, wird in den lokalen Salinen das beste Meersalz der Welt gewonnen. Sie können sich davon im wahrsten Sinne des Wortes hautnah überzeugen: Entweder beim Planschen im meist recht frischen Nordatlantik – die Wassertemperaturen sind aufgrund des maritimen Klimas auch im Hochsommer eher verhalten –  oder beim Entspannen im gesundheitsfördernden „Achill Seaweed Bath“.

Tierische Begegnungen sind hier garantiert

In den Gewässern rund um Achill Island tummelt sich eine beachtliche Vielfalt an Wal- und Delfinarten. Von einigen Häfen der abgelegenen Insel (hier gibt es auch fangfrische Austern!) können Sie zu Whale Watching-Touren aufbrechen. Selbst seltene Riesenhaie durchstreifen hin und wieder die einsamen Buchten. Der weltweit zweitgrößte Hai-Vertreter gilt als ausgesprochen scheu. Nach dem Bootsausflug kann man sich mit dem aus Hammelfleisch gekochten Irish Stew stärken. Der sämige Eintopf ist seit eh und je ein irisches Nationalgericht.

An Land machen Sie todsicher Bekanntschaft mit lebenden Schafen. „Meet the Sheep“ – das Motto unserer Rundreise ist schließlich ein Versprechen. Die zotteligen Fleisch- und Wolllieferanten sind das Markenzeichen Irlands. Das ist auf Achill Island nicht anders. Interessantes Detail: Auf der Insel leben vornehmlich die markanten Black Head-Schafe. Dass die nicht immer lammfromm sind, werden Sie auf Ihren Wanderungen oder Spritztouren schnell bemerken. Hinweisschilder am Straßenrand warnen vor mitunter störrischen Exemplaren.

Zeitreisen in eine bewegte Vergangenheit

Tief bewegen wird Sie ein Besuch im Ruinendorf Deserted Village. Böll erging es nicht anders, als er zwischen den Mauern dieser gottverlassenen Siedlung umherspazierte. Ein ganzes Kapitel seines „Irischen Tagebuches“ hat der Schriftsteller dem ehemals prosperierenden Ort im Inselnorden gewidmet. Bis über Irland 1845 die verheerende Hungersnot hereinbrach. Eine der dunkelsten Zeiten der Geschichte (über eine Million Opfer) machte auch um Acaill keinen Bogen. Heute erinnern zig Häuserruinen an die ärmlichen Lebensverhältnisse.

Ein Zuckerschlecken war das Leben auf Achill Island nie. Nährstoffarme Böden und das unwirtliche Klima sind Gründe dafür. Dennoch war die Insel schon früh besiedelt. Am Fuße des Croaghaun – dem mit knapp 690 Metern höchsten Gipfel – entdecken Sie Relikte aus der Jungsteinzeit. In jener Epoche wurden aus Jägern und Sammlern sesshafte Ackerbauern und Viehzüchter. Beeindruckende Megalithgräber aus dem dritten Jahrtausend v. Chr. sind über das komplette Eiland verteilt.

Natur und Kultur in ihrer unberührten Form; fernab von Lärm, Alltagshektik und Touristenströmen – das macht den Charme von Achill Island aus. Bis heute konnte sich Irlands größte Insel diesen Charakter bewahren. Eben ein echter Geheimtipp für einen entspannten Ferienhausurlaub!

Weitere Informationen zu unserer „ Meet the Sheep“ Reise finden Sie hier.

Vielen Dank für die Texterstellung und Unterstützung an Herrn Ronny Reißmüller https://www.die-textarbeiter.de/


Über den Autor

Klaus Becker

In Tromsø schon mal den Bus zum Schiff verpasst und richtig viel Spaß bei einer samischen Familie gehabt, in Schottland schon mal versucht, alle Malt Whiskys zu probieren. Im echten Leben aber Geschäftsführer und Blogger mit Leidenschaft.

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