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Reykjavik: Überraschungsmomente am 64. Breitengrad Nord

Die Stadt Reykjavik.
Die nördlichste Hauptstadt der Welt: Reykjavik

Provinziell, eintönig, bitterkalt: Diese Vorstellung von Islands Hauptstadt hält sich bei manchen Zeitgenossen hartnäckig. Unter Kennern gilt Reykjavik längst als echter Hotspot. Die nördlichste Hauptstadt der Welt (!) begeistert mit einem vielfältigen Kulturangebot, hypermoderner Architektur, kulinarischen Leuchttürmen und lebensfrohen Bewohnern. Die Stadt ist zwar klein und abgelegen. Doch sie hat alles, was eine Hauptstadt ausmacht – nur die Hektik und das Chaos nicht. Hier erfahren Sie, welche Überraschungen die gemütliche Mini-Metropole bereithält.

Am Puls der isländischen Seele

Zugegeben: Schicke Prachtstraßen, königliche Schlösser oder glitzernde Wolkenkratzer sucht man in Reykjavik vergebens. Auch die Zahl der Einwohner ist mit rund 128.000 eher überschaubar. Doch ein verschlafenes Provinznest ist die isländische Hauptstadt deswegen noch lange nicht. Im Gegenteil, Reykjavik versprüht kosmopolitisches Flair. Zwei renommierte Universitäten, bestens besuchte Altstadt-Theater und ein weltweit geschätztes Sinfonieorchester sind Beleg dafür. Und haben Sie gewusst, dass die übergroße Mehrzahl der Isländer gleich mehrere Sprachen perfekt beherrscht?

Gut zwei Drittel der isländischen Bevölkerung ist in Reykjavik zu Hause. Da das menschenfeindliche Hochland im Herzen der Insel aus Feuer und Eis unbewohnbar ist, konzentrieren sich die Siedlungen ohnehin an den Küsten. Unterhalb des „Hausberges“ – dem knapp 900 Meter hohen und stets schneebedeckten Esja – hat sich eine (angenehm) quirlige Stadt entwickelt, die in den letzten zwei Jahrzehnten gehörig an Dynamik gewonnen hat. Das zieht Touristen und auch immer mehr Isländer an. Viele Bewohner Reykjaviks sind jung, gut ausgebildet und strotzen nur so vor kreativen Ideen.

Pure Lebenslust südlich des Polarkreises

Reykjavik vom Wasser aus.
Die Stadt vom Wasser aus.

Kunst und Kultur spielen in Islands Hauptstadt die erste Geige. In den überraschend farbenfrohen Häusern im Zentrum Reykjaviks können Sie jede Menge Galerien und Ateliers entdecken. Sogar eine Kunstakademie gibt es hier. Das Nationalmuseum wurde mit modernster Technik bestückt, um die bewegte Geschichte der rauen Nordatlantik-Insel mit allen Sinnen erfahrbar zu machen. Einmal im Jahr lockt das Musikfestival „Iceland Airwaves“ Feierwütige in Scharen in die größte Stadt des Landes. Und die Sängerin Björk eroberte von Reykjavik aus die weltweiten Charts.

Ein kulturelles und architektonisches Schmuckstück ist die Harpa Concert Hall. Der 2011 eröffnete Glaspalast ist Konzert- und Opernhaus, Konferenzzentrum und Heim des Sinfonieorchesters in einem. Die Hauptstädter sind süchtig nach Events. Entworfen hat den mehrfach preisgekrönten Bau Henning Larsen Architects aus Kopenhagen zusammen mit lokalen Vertretern ihrer Zunft. In Deutschland haben die Dänen u. a. in der Hamburger HafenCity ihre Spuren hinterlassen. Zeitgenössische Architektur ist zu einem Markenzeichen Reykjaviks geworden – wer hätte das erwartet?

Ein Gotteshaus zieht die Blicke auf sich

Auch etliche Kirchen kommen ausgesprochen modern daher. Vom steil aufragenden, knapp 75 Meter hohen Turm der Hallgrimskirkja bietet sich Ihnen ein grandioser Panoramablick auf die Stadt und die nahezu archaisch wirkende Naturlandschaft Islands. Auch die schäumenden Wogen des Nordatlantiks sind von hier oben bestens zu bestaunen. Der raue Südwestküsten-Wind bläst sämtliche Alltagssorgen aus Ihrem Kopf! Das höchste Gebäude Reykjaviks, 1986 fertiggestellt, gilt nicht nur aufgrund seines ungewöhnlichen Äußeren als lokales Wahrzeichen.

Reykjavik ist bei nahezu jeder unserer Island-Reisen ein fester Programmbestandteil. Dank ihrer überschaubaren Größe ist sie eine Stadt der kurzen Wege. Dafür, dass man zügig von A nach B kommt, sorgt ein hervorragendes öffentliches Busnetz. Wer Erholung sucht, findet im größten Botanischen Garten des Landes eine für die karge Inselflora ungewohnt üppige grüne Oase. Mit dem Tjörnin erstreckt sich mitten im Herzen der Stadt ein ausladender See, der vom Geschrei tausender Wasservögel eingehüllt wird. Entschleunigung ist gelebter Alltag am 64. Breitengrad Nord.

In Reykjavik ist der Genuss zu Hause

Die wohl größte Überraschung wird besonders Ihren Gaumen freuen! Denn gut essen gehen ist in Reykjavik beileibe kein Fremdwort. Die Dichte an feinen Restaurants und edlen Gourmettempeln ist rekordverdächtig – und stellt manch andere europäische Hauptstadt mühelos in den Schatten. Preisgekrönte Sterneköche tischen fangfrisches Seafood und andere Köstlichkeiten auf. So auch im Perlan, dessen drehende Restaurant-Glaskuppel zugleich mit einer fantastischen Aussicht auf das Häusermeer wie auf das echte Meer lockt. Provinz ist eben nur dort, wo man sie zulässt…

Unter dem gläsernen Aufbau des Perlan-Gebäudes erstrecken sich gigantische Heißwasserspeicher. Die Reservoirs sorgen nicht nur für warmes Wasser in allen Haushalten. Über Leitungen werden damit im Winterhalbjahr auch etliche Straßen und Fußwege beheizt. Innovativ waren die Isländer schon immer. Ein Novum: Nahezu alle Heizungen im Stadtgebiet beziehen ihre Energie ausschließlich aus den die Vulkaninsel prägenden Thermalquellen. Baden und Entspannen kann man darin ebenso. Die „Blaue Lagune“, Islands unangefochtene Königin der heißen Quellen, ist nicht weit entfernt.

Bibbern muss man hier auch nicht

Reykjavik im Winter.
Reykjavik im Winter.

Strenge Minusgrade im Winter? Fehlanzeige! Reykjavik überrascht auch in dieser Hinsicht. Schön ist es dann zwar nicht, auch die überlange Dunkelheit ist nicht Jedermanns Sache. Doch dank des Golfstroms sind die Winter hier relativ mild. Tagsüber bewegen sich die Durchschnittstemperaturen leicht über dem Gefrierpunkt, nachts sinken sie knapp darunter. Die Sommer fallen maritim-kühl aus. Dafür entschädigt das fast 24 Stunden währende Tageslicht. Zu jeder Jahreszeit gut gefüllt sind die unzähligen Kneipen und Cafés am Hafen, die sich wie an einer Perlenschnur aneinanderreihen.

Reykjavik ist die Stadt auf den zweiten Blick. Glamour ist ihr ebenso fremd wie nur ein schnöder Regierungssitz eines der am dünnsten bevölkerten Länder der Erde zu sein. Die ungezähmte Wildnis bleibt das Markenzeichen Islands. Auch Reykjavik bestand über Jahrhunderte hinweg nur aus der Ansammlung einiger Höfe. Erst 1786 bekam die Siedlung das Stadtrecht zugesprochen. Heute erwartet Sie hier Großstadtfeeling ohne Großstadthektik, gepaart mit kulturellen wie kulinarischen Leckerbissen. Islands Mini-Metropole ist eben immer für eine Überraschung gut.

Informationen zu unseren Islandreisen finden Sie hier.

Vielen Dank für die Texterstellung und Unterstützung an Herrn Ronny Reißmüller https://www.die-textarbeiter.de/


Über den Autor

Klaus Becker

In Tromsø schon mal den Bus zum Schiff verpasst und richtig viel Spaß bei einer samischen Familie gehabt, in Schottland schon mal versucht, alle Malt Whiskys zu probieren. Im echten Leben aber Geschäftsführer und Blogger mit Leidenschaft.

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