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Titanic Belfast: Ein Museum für einen Mythos

Titanic Museum Belfast: Schiffsrumpf oder Eisberg?
Titanic Museum Belfast: Schiffsrumpf oder Eisberg? Bild: Shutterstock

Die RMS Titanic gilt zweifellos als das berühmteste Schiff der Welt. Ihr dramatischer Untergang im April 1912 bewegt bis heute die Gemüter. Exakt dort, wo der Ozeanriese einst vom Stapel gelassen wurde, erinnert seit 2012 ein so spektakuläres wie didaktisch überzeugendes Museum an den legendären Luxusliner. Auf einer Werft in Belfast wurde die Titanic gebaut. Die weltgrößte Titanic-Ausstellung in den vormaligen Docklands beschert der nordirischen Hauptstadt Zehntausende Besucher. Warum Sie das Titanic Museum Belfast in jeder Hinsicht tief beeindrucken wird, lesen Sie hier.

Die Geburtsstätte der Titanic

269 Meter lang, 28 Meter breit, mit Schornsteinen 53 Meter hoch, maximaler Tiefgang 10,50 Meter, Maschinenleistung satte 51.000 PS: Die Titanic war der ganze Stolz ihrer Zeit. Bei Indienststellung galt die RMS Titanic mit ihren Gardemaßen als das größte Passagierschiff der Welt. Entworfen und gebaut wurde es in Belfast – von der ehrgeizigen Mannschaft von Harland & Wolff. Fast alle ihre Schiffe gab die britische Reederei White Star Line damals der angesehenen Werft in Nordirland in Auftrag. Jenes Projekt mit der Nummer 401 sollte das bis dahin größte werden.

Zuvor hatten die Ingenieure von Harland & Wolff bereits die nahezu baugleiche Olympic vom Stapel gelassen, das Schwesternschiff der Titanic. Ihr gemeinsames Einsatzgebiet: der bitterkalte Nordatlantik. Ihre Bestimmung: ein regulärer Liniendienst über den „großen Teich“ ins ferne Amerika. Ihre Route: von Southampton (England) nach New York und wieder zurück. Ihr Innenleben: im Stil des Art déco. Sage und schreibe 890 Männer und Frauen sorgten als Besatzung dafür, dass es auf der Titanic an nichts fehlt. Belfast war Geburtsort der Titanic, Liverpool ihr Heimathafen.

Titanic Museum Belfast: Das Original von 1912.
Titanic Museum Belfast: Das Original von 1912. Bild: Shutterstock

Titanic Museum Belfast: Schiffsrumpf oder Eisberg?

Von meterhohen Panoramascheiben aus können Museumsbesucher heute auf jene schiefe Rampe schauen, von der die RMS Titanic einst zu Wasser gelassen wurde. Umjubelt von Tausenden Zaungästen glitt der Meeresgigant am 31. Mai 1911 vom „Slipway“ sanft in die Fluten der Belfaster Docklands. Sie können noch heute Zeuge sein: Ein kurzer vertonter Schwarzweiß-Streifen macht den historischen Stapellauf der Titanic wieder lebendig. Es ist ein überaus emotionaler Augenblick – davon bietet die Ausstellung Titanic Belfast auf sechs Ebenen ein ganzes Füllhorn.

Glänzende Aluminiumhaut, selbstbewusster Auftritt: Die weltweit größte Ausstellung über den Mythos Titanic beeindruckt schon mit ihrem Äußeren. Der spektakuläre Bau auf dem ehemaligen Werftgelände von Harland & Wolff – zweieinhalb Kilometer von der Stadtmitte entfernt – ist ein Fest für Liebhaber zeitgenössischer Architektur. Manche fühlen sich beim Anblick des knapp 40 Meter hohen Museums namens Titanic Belfast an einen Schiffsrumpf erinnert. Andere sehen in dem kantig-spitzen Gebäude (Entwurf: Eric Kuhne) genau jenen Eisberg, der dem Ozeandampfer bei seiner Jungfernfahrt schließlich zum Verhängnis wurde.

Eine Katastrophe, die die Welt bewegte

Platz war auf der Titanic für 2400 Passagiere. Es sind etwa 200 Menschen weniger an Bord, als die RMS Titanic im April 1912 zu ihrer ersten Überfahrt nach New York aufbricht. „Unsinkbar“ ist der Luxusliner wegen seiner wasserdichten Schotten, hatten Reederei und Werft zuvor getönt. Am Steuer steht der erfahrene Kapitän Edward Smith. Das Ende dieser Transatlantik-Reise ist bekannt: Am 14. April 1912 kurz vor Mitternacht rammt das Schiff 300 Seemeilen vor Neufundland seitlich einen Eisberg. Knapp drei Stunden später geht die Titanic unter, mit ihr sterben 1514 Menschen. Als diese Nachricht um den Erdball geht, herrscht auch in Belfast blankes Entsetzen.

Natürlich ist der bekanntesten Katastrophe der Seefahrt – beileibe nicht jener mit den meisten Opfern – im Titanic Museum Belfast viel Raum gewidmet. Die tragischen Umstände des Untergangs bieten schließlich jede Menge Stoff. Emotional, aber wohltuend zurückhaltend und pietätvoll werden die letzten Stunden auf der Titanic rekonstruiert. Berühren werden Sie neben geborgenen Artefakten Filminterviews mit Zeitzeugen, die das Unglück überlebten (der letzte starb 2009). Im Anschluss geht es auf Tauchgang zum Wrack des Ozeanriesen. Unter Ihnen und einem gläsernen Boden laufen gestochen scharfe Bilder jenes Wracks ab, das 1985 in einer Tiefe von 3800 Metern am Grund des Nordatlantiks ausfindig gemacht wurde.

Titanic Belfast kommt ohne Effekthascherei aus

Atmosphäre an Bord: Artefakte im Titanic Museum Belfast.
Atmosphäre an Bord: Artefakte im Titanic Museum Belfast. Bild: Shutterstock

Nicht nur das Äußere und die Innenarchitektur von Titanic Belfast sind sensationell. Auch das museumspädagogische Konzept überzeugt auf ganzer Linie. Genau hundert Jahre nach der Katastrophe wurde die multimediale Ausstellung als Herzstück des auf 75 Hektar neu entstehenden Stadtviertels „Titanic Quarter“ eröffnet. Dennoch steht hier nicht der Untergang im Mittelpunkt. Sondern das Schiff selbst. Dessen Vorgeschichte, der beeindruckende Bau der „Königin der Meere“, der verheißungsvolle Stapellauf, die gesellschaftlichen Umstände jener Zeit der Atlantic Crossings: Das sind die Themen von Titanic Belfast.

Den Museumsmachern gelingt ein schwieriger Spagat. Unterhaltend und mit modernster Technik erwecken sie die Titanic zum Leben. Kreativ wird die Geschichte des berühmten Schiffes nacherzählt. Pure Sensationslust und Effekthascherei ohne Tiefgang sind dem Titanic Museum Belfast fremd. Besonders beeindrucken wird Sie die Gondelfahrt durch die nachgebaute Werft – Arbeitslärm und Schweißergeruch inklusive. Auch die virtuelle Erkundungstour quer durch das Schiff vom hektischen Maschinenraum über die Kojen der Dritten Klasse bis zum schicken Oberdeck ist ein Erlebnis. Rund drei Stunden sollten Sie für den Rundgang einplanen.

Erlebnis Titanic am authentischen Ort

Das Konzept von Titanic Belfast ging auf und hob die Hauptstadt von Nordirland auf die Landkarte des weltweiten Städtetourismus. Das Museum war im Jahr 2016 sogar „The Worlds Leading Tourist Attraction“. Der prestigeträchtige Award machte ganz Belfast stolz. Das war nicht immer so, zu schwer lastete das Trauma des Untergangs jahrzehntelang auf den Seelen der Bewohner. Schließlich wurde die „unsinkbare“ Titanic in dieser Stadt gebaut! Bis zur Verwirklichung von Titanic Belfast war es ein steiniger Weg. Doch die zweitgrößte Metropole der irischen Insel erinnerte sich ihres reichen Schiffsbauerbes – und wollte auch ein Stück vom Mythos Titanic-Kuchen abhaben.

Schließlich hatte etwa 1997 das US-Liebesdrama mit Kate Winslet und Leonardo DiCaprio Millionen in die Hollywood-Kinokasse gespült. Ein Titanic-Musical existiert ebenso; die Flut weiterer Filme, TV-Dokumentationen, Bücher oder Lieder ist kaum zu überblicken. Der Trumpf von Titanic Belfast: Hier gibt es das Erlebnis Titanic am authentischen Ort. Das riesige Trockendock – wo die Titanic und ihre Schwesternflotte einst gebaut wurden – existiert in Sichtweite zum Museum immer noch. So wie das Unternehmen Harland & Wolff selbst, in der Transatlantik-Ära die größte Werft weltweit.

Der Untergang der legendären Titanic ist eins der größten modernen Mythen. Vielleicht ein Anstoß für eine Nordirland-Reise mit Stippvisite im Titanic Museum Belfast. Unser Tipp: Bestellen Sie die Tickets für die Ausstellung schon vorab im Internet, das spart das zeitraubende Warten an der Kasse. Denn der Mythos Titanic ist auch über hundert Jahre später ungebrochen.

Unsere individuellen Irland-Reisen finden Sie hier.

Vielen Dank für die Texterstellung und Unterstützung an Herrn Ronny Reißmüller https://www.die-textarbeiter.de/.

Viele nützliche Hinweise und alle Neuigkeiten rund um das Thema „Titanic“ finden Sie im Newsticker des Titanic Museum Germany.

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Über den Autor

Klaus Becker

In Tromsø schon mal den Bus zum Schiff verpasst und richtig viel Spaß bei einer samischen Familie gehabt, in Schottland schon mal versucht, alle Malt Whiskys zu probieren. Im echten Leben aber Geschäftsführer und Blogger mit Leidenschaft.

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